ALTES MUSEUM

Fleisch
1. J
uni – 31. August 2018

Eine Sonderausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin
Bei Fleisch denken wir häufig zunächst an Essen. Doch auch unser Körper selbst ist Fleisch. In kulturellen und kultischen Kontexten ist Fleisch seit Jahrtausenden zentraler Bestandteil. Kurz: Fleisch ist Kost, Körper und Kult. In ihm offenbart sich der Übergang vom Lebendigen zum Toten. In der Ausstellung wird das Verhältnis des Menschen zum Fleisch sowie die Komplexität von Fleisch im Spannungsfeld zwischen Entstehen und Vergehen interdisziplinär, quer durch die Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin mit archäologischen, ethnologischen und kunsthistorischen Objekten aus 5.000 Jahren Menschheitsgeschichte präsentiert – von einer Tontafel mit 58 verschiedenen Schweinebezeichnungen der späten Uruk-Zeit (ca. 3300–3000 v. Chr.) bis zu Arbeiten von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern wie Vanessa Beecroft, Christian Jankowski und Bruce Nauman.

Fleisch ist Kost
Historische Jagddarstellungen werden Christian Jankowskis Video „Die Jagd“ (1992–1997) gegenübergestellt. In einer Zeit, in der die Fleischbeschaffung durch Jagd keine Überlebensgrundlage mehr darstellt, wirkt Jankowskis Beutezug im heimischen Supermarkt absurd – führt jedoch auch die Entfremdung vor Augen, die mit der modernen Lebensmittelindustrie einhergeht. Das Schwein, das als einziges Tier ausschließlich als Fleischlieferant gezüchtet und gehalten wird, steht hier stellvertretend für das Verhältnis des Menschen zum Tier. In der späten Uruk-Zeit (ca. 3300-3000 v. Chr.) wurden auf einer Tontafel 58 verschiedene Begriffe für das Schwein aufgeführt. Die Bildergeschichte über das Leben, Sterben und Nachleben einer Sau von Ludwig Emil Grimm zeigt ein emotionsgeladenes Einzelschicksal während die sachlichen Beschreibungen des Handbuchs für Sanitäts- und Verwaltungsbeamte einer US-amerikanischen Großschlachterei um 1900 eine nüchterne Objektifizierung der Tieres propagiert.

Fleisch ist Kult
Fleisch spielt in fast allen Religionen eine Rolle, etwa durch Speisevorschriften. Göttliche Kräfte, die jenseits des sterblichen Fleisches liegen, wurden und werden noch immer in vielen Kulturen angebetet. Kultrituale vom Tier – bis zum Menschenopfer nehmen häufig einen zentralen Platz im Leben einzelner religiöser Gesellschaften ein. Innerhalb der Ausstellung wird diese Dimension des Fleisches zum einen an der christlichen Erzählung vom Leib Christi, zum anderen an religiösen Fleischopfern von der Antike bis zur Gegenwart erzählt. So wird neben einer prachtvollen Monstranz von 1629 das ethnologische Feldforschungsvideo „Durgapuja. Gonzo goes Ritual“ mit einer rituellen Ziegenschlachtung aus dem Jahr 2003 gezeigt.

Fleisch ist Körper
Der Körper als bewegliche und doch vergängliche Grundlage des Lebens war schon immer eng verwoben mit kulturellen und politischen Kämpfen. Die Ausstellung verweist in diesem Kontext auf den fleischlichen Zerfall und die Zerfleischung im Kampf, fragt nach Körperbildern und Körpererfahrungen und zeigt vor dem Hintergrund des fleischlichen Entstehens und Vergehens Zusammenhänge zwischen Fruchtbarkeitssymbolen und Lustmord. Fleisch als Körper bewegt sich damit zwischen Sterblichkeit, Sexualität und Körperkult. Bruce Nauman lädt die Besucherinnen und Besucher mit seiner Arbeit „Body Pressure“ (1974) dazu ein, den eigenen Körper anhand einer Performance zu spüren und sich dessen bewusster zu werden.
Nach der erfolgreichen Ausstellung „Bart“ 2015/16 im Neuen Museum ist „Fleisch“ die zweite thematisch übergreifende Ausstellung der Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der insgesamt zwölf Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin.
Während der Laufzeit der Ausstellung findet ein umfangreiches Bildungs- und Vermittlungsprogramm mit u.a. Gesprächsabenden und Führungen zum Thema Provenienz statt.
Zur Ausstellung erscheint eine Publikation im Wienand Verlag, Köln: 112 Seiten mit ca. 50 farbigen Abbildungen, ISBN 978-3-86832-446-4, Buchhandelspreis: 22 €, Museumspreis: 17 €.

Museumsinsel Berlin, Altes Museum, Am Lustgarten, 10178 Berlin

Copyright für alle Bilder: Helena Salva-Janowitz,  jetset travelmagazin, Berlin
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