Andalusiens Schätze

Unsere Rundreise beginnt in Torremolinos, entlang der auf beiden Seiten mit Hotels und Appartments verbauten Küstenstraße, die nur gelegentlich freie Sicht aufs Meer bietet. Es regnet – ein nicht sehr hoffnungsvoller Start. Stopp in Marbella. Hier haben die “ Schönen und Reichen“ ihre Yachten vertäut. Kleine hübsche Geschäfte mit Souvenirs und Edelboutiquen bieten erste Kaufanreize. Nach etwa einer Stunde tauchen wir in eine Landschaft ab, die bereits ahnen lässt, dass Andalusien eine Augenweide ist. Der Blick durch die beschlagenen Fensterscheiben ist nicht gerade ermutigend für unsere Erwartungen, doch Petrus hat Erbarmen…

Ronda, eine der ältesten Städte Spaniens, liegt in ca. 740 m Höhe  auf einem durch eine Felsspalte geteilten Plateau. Die Stadtteile verbinden drei Brücken, die eindrucksvollste und am meisten fotografierte ist Puente Nuevo; ein Hingucker aus dem Jahre 1793. Sie überspannt den Río Guadalevín, der in der etwa 120 Meter tiefen Schlucht El Tajo das alte Viertel „La Ciudad“ vom jüngeren „Mercadillo“ trennt. Die romantische maurisch geprägte Altstadt lädt zu einem ausgedehnten Spaziergang ein. Kein Wunder, dass sich  Rainer Maria Rilke und Ernest Hemmingway in diesen Ort verliebten. In der Plaza de Toros, der Geburtsstätte des spanischen Stierkampfes, wurden bereits die berühmten Toreros Cayetano und sein Sohn Antonio Ordoñez gefeiert. Ein leider nur flüchtiger Besuch der Santa Maria la Mayor, der Hauptkirche von Ronda, weiter zum Palacio de Mondragón und der Casa don Bosco aus dem 20. Jh. Von der Terrasse bietet sich ein herrliches Fotopanorama  bis weit über die schneebedeckte Berglandschaft.
Weiterfahrt nach Jerez de la Frontera, in die Heimat des Sherrys, vorbei an den „weißen Dörfern“, denPueblos Blancos“, mit ihren roten Ziegeldächern auf den schmucken Häusern. Kurze Besichtigung der Altstadt mit anschließendem Rundgang durch die berühmte Bodega Tio Pepe und ausgiebiger Sherry-Verkostung. Auf beides hätten wir gerne verzichtet und stattdessen lieber einige interessante Stadtmotive abgelichtet; die Kathedrale aus dem 18. Jh., die beeindruckende Festung Alcázar oder die Stiftskirche Colegiata de San Salvador. Das sind leider die Nachteile einer organisierten Rundreise.

 

Cadiz, die Provinzhauptstadt,  liegt auf einer schmalen Landzunge direkt am Atlantik. Wegen seiner reizvollen Spiegelung im Meer wird sie auch liebevoll „Silbertässchen“ genannt. Schon aus der Ferne grüßt die mit gelben Azulejos (Fliesen) bedeckte Kuppel der   Kathedrale aus dem 18. Jh. Vorbei an der Iglesia de Santa Cruz aus dem 13. Jh. und einem Blumenmarkt auf der Plaza de las Flores, ein kleiner Abstecher zum Mercado Cetnral, der großen Markthalle, die an einen griechischen Tempel erinnert. Wir bummeln durch die sauberen schmalen Gassen und einige Prachtstraßen mit ihren pastellfarbenen Häusern. Auf vielen wurden einst Wehrtürme errichtet, um einlaufende Schiffe zu beobachten oder die Gefahr von Piratenüberfällen rechtzeitig zu entdecken. Zu den schönsten Plätzen der Stadt gehören die Plaza de Mina mit dem Geburtshaus des berühmten Komponisten Manuel de Falla und die Plaza España mit dem „Monumento a la Constitución de 1812“, einem Denkmal, das an die Verkündung der Verfassung im März 1812 erinnert.  Kurze Pause auf der Plaza de San Juan de Dios mit seinem hübschen alten Rathaus, eine leckere Eisverkostung, ein Cortado (Espresso mit einem Schuss Milch) und ein kleiner Snack, den wir uns mit einem einäugigen Streuner teilen, dann geht’s ab in die Hauptstadt Andalusiens.

 

Sevilla ist ein weiterer Höhepunkt unserer Tour. Hier fand 1992 die Weltausstellung Expo statt, deren Thema „das Zeitalter der Entdeckungen“ anlässlich des 500. Jubiläums der Entdeckung Amerikas war. Wir übernachten im Hotel Silken Al-Andalus, einem architektonischen Flop mit dem Charme eines gestylten Bus-Bahnhofs mit 600 Zimmern, lauten ungemütlichen Speisesälen und einer Rein-Raus-Atmosphäre. Gleich nach dem Frühstück besuchen wir den Parque de María Luisa, der 1929 zum Gelände der iberoamerikanischen Ausstellung verwandelt wurde. Inspiriert durch die maurische Gartenkunst hatte der französische Gartenbauingenieur  Jean Claude de Forestier diesen Park umgestaltet. Bunte Kanäle, Teiche, Springbrunnen, Pavillons und riesige Schatten spendende Bäume machen diesen Ort zu einer  Oase der Ruhe. Im Süden der Anlage die Plaza de América, deren attraktive Pavillons heute Museen sind. Herzstück des Parks ist die Plaza de España, begrenzt durch einen halbkreisförmigen mit bunter Keramik verzierten Bau, deren Außenwände mit farbigen Fließen dekoriert sind, die Szenen aus der Geschichte der 48 spanischen Provinzen darstellen. Ein Kanal mit vier Brücken symbolisiert die ehemaligen  Königsreiche. Roswitha, unsere Reiseleiterin, mahnt zur Eile für eine Führung durch Barrio de Santa Cruz, das pittoreske Stadtviertel Sevillas, und die größte Kathedrale Spaniens.

Barrio de Santa Cruz ist das ehemalige jüdische Viertel, das im 14. Jh. 23 Synagogen beherbergte. Es besteht aus verwinkelten schmalen Gassen und schattigen Plätzen, die mit den Geschichten von Don Juan, Carmen und Barbier von Sevilla verbunden sind. Restaurants, Cafés und Geschäfte säumen die engen Straßen, durch die sich Scharen von Touristen drängen.

Santa María de la Sede mit ihrem berühmten Glockenturm Giralda wurde einst an der Stelle einer Moschee errichtet. Bei Grundsteinlegung im Jahre 1401 beschlossen die Bauherren, eine riesige, in der Welt einmalige Kathedrale zu erbauen. Es wurde der größte gotische Kirchenbau weltweit. Insgesamt acht Portale führen in das Innere dieses gigantischen Bauwerks. Die Schnitzereien des einmaligen gotischen Altars haben fast 100 Jahre in Anspruch genommen. Auch das gegenüberliegende Chorgestühl ist kunstvoll verziert. Dahinter steht die Capilla Real mit einer reichlich geschmückten Kuppel. Im südlichen Seitenschiff sind die Gebeine von Christoph Kolumbus aufgebahrt. Es würde Tage dauern, um allein die 500 Gemälde aus dem 16. und 17. Jh. zu betrachten. Von der Aussichtsplattform des 97 m hohen Glockenturms bietet sich ein grandioses Panorama. Die vier Meter hohe Bronzefigur in Form einer Frauengestalt auf der Spitze von Giralda dreht sich wie eine Windfahne und ist  heute das wichtigste Wahrzeichen der Stadt. Die letzten Stunden möchten wir für den Besuch von Real Alcázar, dem königlichen Palastbau, nutzen. Beim Anblick der wartenden Touristen verzichten wir jedoch auf eine Besichtigung und schlendern statt dessen durch die Altstadt und entlang dem Ufer von Guadalquivir bis zum Goldturm, dem Torre del Oro. Morgen wartet auf uns die längste Tour mit 310 km.

Cordoba – erster Stopp an dem ehemaligen Festungsturm Torre de la Calahorra mit einem herrlichen Blick auf die Mezquita und die Puente Romano, die Römerbrücke, über die wir zum Triumphbogen gelangen. Rundgang durch Juderia, das ehemalige jüdische Viertel, das heute zum UNESCO-Welterbe zählt. Weiß getünchte Häuser, verträumte Höfe, die Calleja de las Flores, die Blumengasse, und die Calle Judios, in der wie die einzige erhaltene Synagoge Andalusiens besichtigen.

 

Mezquita, eine der größten Moscheen, die je erbaut wurden, zählt zusammen mit der Alhambra in Granada und Sevillas Kathedrale zu den bedeutendsten Schätzen Andalusiens. Als die Christen im Jahre 1523 die Stadt zurückeroberten, wurde im Inneren der Moschee gegen den Willen der Bevölkerung eine Kathedrale errichtet. Kaiser Karl V. hat seine Einwilligung zu dem Bau, ohne die Mezquita zuvor gesehen zu haben, später bereut. Schon die prachtvolle Säulenhalle ist beeindruckend. Mehr als 800 Säulen aus kostbaren Materialien sind überspannt von rotweiß gemusterten Bögen und erwecken den Eindruck eines versteinerten  Palmenhaines. Der pompöse Kuppelraum vor der Gebetsnische, dem Mihrab, ist kunstvoll verziert mit Mosaiken aus Gold und blumigen Motiven. Der Mihrab, der zu den wichtigsten seiner Art gehört, ist dekoriert mit Marmorarbeiten und goldenen Schriften. Besonders sehenswert sind der Hochaltar und die beiden Kanzeln aus Mahagoni, das Chorgestühl mit vielen geschnitzten Reliefs und Statuen, die Szenen aus dem Leben Christi und Maria zeigen sowie unzählige Heiligenfiguren.

Das heutige Tagesziel ist Granada, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Die Route führt durch die schönsten Landschaften Andalusiens. Vorbei an Weinbergen, endlosen Olivenhainen, imposanten Festungen und malerischen Dörfern.

 

„Wer Granada nicht gesehen hat, hat nichts gesehen“. (Spanischer Volksmund)

Morgendliche Führung durch die Alhambra. Jedes Jahr kommen über zwei Millionen Besucher, um dieses märchenhafte maurische Erbe zu bewundern. Hinter dicken Mauern versteckt sich ein Areal von unglaublicher Vielseitigkeit. Von Alcazaba, der Wehranlage und dem ältesten Teil dieser Festung, blieben leider nur Ruinen. Das Zentrum der Alhambra bilden prachtvolle Nasridenpaläste mit reich geschmückten Sälen. Zu den Höhepunkten gehören der Myrtenhof, in dessen Wasserbecken sich der Comares-Turm spiegelt und der Löwenhof mit zierlichen Säulen, filigranen Stuckdekorationen und einem Marmorbrunnen, dessen Schale von zwölf Löwen getragen wird. Eines der bedeutendsten Gebäude der Renaissance in Spanien ist der Palast Karls V., in dem heute zwei Museen untergebracht sind. Abschließend schlendern wir noch durch die weitläufigen Generalife-Gärten mit der Sommerresidenz der damaligen Sultane. Sie gehören zu den ältesten noch erhaltenen maurischen Gärten Andalusiens.

 

Albaicín, das maurisch geprägte Viertel, liegt gegenüber der Alhambra. Verwinkelte Gassen, weißgekalkte Häuser, manche mit mauerumsäumten Gärten, kleine Bars und Restaurants. Vom Mirador San Nicolás bietet sich ein atemberaubender Blick auf die Alhambra und die schneebedeckte Silhouette der Sierra Nevada. Wir nutzen die verbleibenden Stunden für einen Spaziergang zur Catedral Santa María de la Encarnacíon, der bedeutendsten  Renaissancekirche Andalusiens. Gleich daneben die Grabstätte der Katholischen Könige. Ein kleiner Abstecher zum Plaza Bib-Rambla, wo sich Touristen und Einheimische tummeln. Heute ist der 1. Mai, von einer Demonstration keine spur weit und breit. Stattdessen begegnen wir einer kleinen Gruppe von Männern mit bunten Ballettröckchen. Ein willkommenes Motiv für dutzende von Touristen-Kameras. Mit einer herrlichen Flamenco-Vorführung in Albaicín werden wir von dieser  wundervollen Stadt verabschiedet.

 

Frigiliana, das weiße Bergdorf, erhielt mit Recht mehrmals die Auszeichnung „Das schönste Dorf Andalusiens“. Enge Gassen, mit Blumen und Keramik verzierte weiße Häuser und sich in der Sonne  räkelnde Katzen – ein Paradies für Filmer und Fotografen.

Die endgültig letzte Station unserer Reise ist Malaga. Ein kurzer informativer Spaziergang durch die Stadt mit Roswitha, dann versuchen wir, bis zur Abfahrt so viel wie möglich zu erkunden. Erster Gang führt zum Picasso-Museum. Fehlanzeige – eine unendlich lange Schlange vor dem Eingang verändert unser Programm. Das Viertel um die Kathedrale hat auch viel zu bieten. Die Kathedrale selbst gehört zu den schönsten Renaissancekirchen Andalusiens. Sie hat nur einen Glockenturm und wird liebevoll „La Manquita“, die „kleine Einarmige“ genannt. In unmittelbarer Nähe befindet sich der barocke Bischofspalast mit einer rot-gelben Fassade und einem Hauptportal aus kontrastreichem grau-blauem Marmor. Durch die Calle San Augustin gelangen wir in das quirlige Durcheinander der Altstadt mit unzähligen Restaurants, kleinen Bars, arabischen Teestuben, Souvenirgeschäften und Scharen von Touristen. Die Plaza de la Constitución, der Platz der Verfassung, mit seinen vielen hübschen Bürgerhäusern wäre ein  Ort zum Verweilen. Auch die  Plaza de la Mercedes mit dem Geburtshaus von Picasso muss noch besichtigt werden. Der letzte Weg führt zu einem Anziehungspunkt für viele Reisende, dem Teatro Romano. Mit der Alcazaba im Hintergrund, der ehemaligen Residenz arabischer Herrscher und einem Meisterwerk der maurischen Baukunst, ist das Römische Theater ein weiteres attraktives Fotomotiv für unsere arg strapazierten Kameras. Nach der Fahrt zu unserem Hotel in Torremolinos heißt es Abschied nehmen. Andalusien, ein Land der Superlative, war für uns  nur eine „Schnupperreise“. Dieses El Dorado an Kunstschätzen und Sehenswürdigkeiten konnten wir in einer viel zu kurzen Woche leider nur flüchtig entdecken.

Besonderer Dank geht an unsere versierte Reiseleiterin Roswitha und Lorenzo, den ausgezeichneten Fahrer. Die hier beschriebene Tour wurde von TUI organisiert. Durchführung sowie  Ablauf waren perfekt (http://www.tui.com). Reiseliteraturempfehlungen finden Sie unter Travel Books. Weitere Bilder siehe Album.


Copyright für Text und Bilder: Helena und Joachim Salva,  jetset travelmagazin, Berlin
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