KANAREN MIT MADEIRA

Elegant und majestätisch begrüßt uns „Mein Schiff 1“ im Hafen von Las Palmas auf Gran Canaria.  Der Flug aus Deutschland dauerte nicht einmal fünf Stunden. Eine schnelle und problemlose Abfertigung dank der perfekten Organisation und die ersten wärmenden Sonnenstrahlen nach dem deutschen Schmuddelwetter machen richtig gute Laune und lassen die Müdigkeit vergessen.

Da wir den ersten Tag auf  hoher See verbringen, bleibt genügend Zeit, unser Domizil zu entdecken. Eigentlich ist es nur eine kurze Stippvisite, denn 13 Decks, 9 Restaurants und Bistros, 9 Bars, 3 Lounges und 12.000 Quadratmeter der Sonnendecks zu durchforsten, wird sicher Tage dauern. Eine kleine Pause auf dem „eigenen“ Balkon, ein appetitlich duftender Espresso aus der kabineneigenen Nespresso-Maschine und eine frische Meeresbrise. Der Wellnessbereich und die tausend anderen Annehmlichkeiten hier an Bord müssen warten.

 

Auf der Blumeninsel Madeira im Atlantischen Ozean

Ihr Name stammt aus dem portugiesischen und bedeutet Holz. Sie beeindruckt durch ihre wilde Schönheit. Schroffe, in den Himmel ragende Berge, in die tiefen Schluchten  stürzende Wasserfälle, eine üppige Vegetation. Wir haben leider nur eineinhalb Tage Zeit, um dieses Eiland zu entdecken. Unsere Route führt nach Norden, zu dem pittoresken Ort São Vincente, bekannt durch seine Lavagrotten. Auf  schmalen Pfaden dringen wir tief in den Berg hinein, vorbei an bizarren Formationen, geschaffen durch das Magma, als es sich den Weg zum Meer bahnte. Die  Lavakanäle erstrecken sich über eine Länge von ca. 700 Metern und führen durch eine fantasievolle stark zerklüftete Unterwelt. Das moderne Vulkanismuszentrum in der Nähe bietet eine virtuelle Reise in das geologische Zentrum  von Madeira. Voll neuer Eindrücke geht unsere Fahrt weiter nach Osten. In Ponta Delgada besichtigen wir ein stilecht eingerichtetes Haus aus dem 19. Jahrhundert und verkosten diverse hausgemachte Liköre. So gestärkt erreichen wir Santana, wo die bekannten traditionellen Bauernhäuschen stehen, deren Dächer bis auf den Boden reichen. Dreieckig und strohbedeckt, strahlend weiß mit rot, blau oder grün gestrichenen Fenstern und Türen, bieten sie einen herrlichen Anblick.

Der Botanische Garten liegt etwas außerhalb von Funchal, der bezaubernden Hauptstadt von Madeira. Mehr als 2.000 Pflanzen aus der ganzen Welt sind  hier zu bewundern. Azaleen, Bromelien, Magnolien, Orchideen und natürlich Strelitzien aber auch Sukkulenten und Palmen. Hier könnte man Stunden verbringen, doch die Zeit drängt. Noch ein Rundgang durch die schmalen Gassen der Altstadt, Besuch der nicht sehr attraktiven Markthalle, und schon heißt es Abschied nehmen.

Das Abendessen auf dem Schiff genießen wir im Restaurant „GOSCH Sylt“, bekannt für edle Fische und Meeresfrüchte. Die Knoblauchgarnellen sowie der gegrillte Fisch schmecken hervorragend. Kein vergleich mit unserem Mittagessen während der Besichtigungstour, wo uns die Spezialität der Insel, die Espada (Degenfisch), ziemlich lieblos serviert wurde. Als „Absacker“ zur späten Stunde noch einen Drink an der TUI Bar und ein erholsames Schläfchen in den bequemen Betten unserer hübschen Kabine.

Wir sind im Hafen von Santa Cruz auf der Insel La Palma

Nicht zu unrecht trägt die Insel den Namen „La isla bonita“, die schöne Insel. Nur ein kurzer Spaziergang und wir können die Hauptattraktion des Insel-Archipels bewundern, die „Kanarischen Balkone“, die geradezu zu Fotoshootings einladen. Sie verschaffen den alten, gut restaurierten Häusern ein attraktives Aussehen und machen den Stadtbummel in der historisch gewachsenen Innenstadt zu einem kurzweiligen Vergnügen. Für eine ausgedehnte Besichtigungstour rund um die Insel reicht leider nicht die Zeit.

Überhaupt, so scheint es, ist für die meisten unserer „Kreuzfahrer“ der Landgang nicht der Clou ihrer Reise – das Schiff selbst ist es, das sie fasziniert. Nicht wenige nutzen die vielfältigen Möglichkeiten an Bord für eine Unterhaltung rund um die Uhr, frei nach dem Motto „Das Schiff ist der Weg“. Viele schwärmen von den zahlreichen „Verköstigungsstationen“, die tagsüber ohne Unterbrechung leckere Köstlichkeiten anbieten.

 

Wieder in Santa Cruz – doch auf der Insel Teneriffa

Das Inselhüpfen mit der „Mein Schiff 1“ vollzieht sich fast unbemerkt in den Nachtstunden bei sanftem Wellenrauschen. Meist haben die Passagiere noch den Schlaf in den Augen, wenn die Leinen bereits wieder im nächsten Hafen festgezurrt werden, so wie hier in Teneriffa, der  größten Insel mit dem höchsten Berg Spaniens. Wir haben einen Ausflug in das Orotava-Tal  gebucht. Vom Aussichtspunkt Mirador Humboldt, genannt nach dem großen deutschen Naturforscher, genießen wir einen atemberaubenden Blick auf die faszinierende Landschaft mit der verschneiten Spitze vom Pico del Teide und das Orotava-Tal, wie schon vor ca. 200 Jahren sein Namensgeber. Der malerische Ort La Orotava mit seinen holzverzierten Balkonen und hübschen schattigen Plätzchen bietet viele Möglichkeiten für beeindruckende Foto- und Filmaufnahmen. Zum Schluss noch ein Besuch des Botanischen Gartens, bevor wir nach Puerto de la Cruz aufbrechen. Nach kurzem Flanieren über die Promenade müssen wir   zurück zum Schiff, da unsere Zeit begrenzt ist.

Unser Schiff liegt in Puerto del Rosario, dem Hafen von der Vulkaninsel Fuerteventura

Es ist eine ausgetrocknete, fast farbenlose Landschaft, die wir am letzten Ausflugstag ansteuern. Trinkwasser gibt es hier nur an den wenigen Entsalzungsanlagen und Landwirtschaft ist fast ein Fremdwort in dieser Einöde. Eine wasserlose Wüste, die nicht viel an Naturschönheiten zu bieten hat. Die Touristen, die sich hier an den feinsandigen Dünen und Stränden vergnügen, sind meist begeisterte Surfer und andere Wassersportliebhaber.

Der Besuch einer Aloe Vera-Farm dient vor allem dem Verkauf ihrer mannigfaltigen Produkte. Auch Casa Santa Maria, das restaurierte Anwesen aus dem 16. Jahrhundert, gehört nicht unbedingt zu den Highlights dieses Tages. Hübsche Fotomotive entdecken wir in den vielen Windmühlen der Insel. Das Freilichtmuseum in Tefia mit seinen alten Bauernhäusern wird häufig als ein Geheimtipp empfohlen. Hier soll man hautnah erfahren, wie die Landbevölkerung früher lebte. Trostlos leben auf den Höfen außer einem Esel und Dromedar auch zwei angekettete Hunde, ohne Schatten und Wasser. Wir haben die zuständige Tierhilfe Fuerteventura e.V. angesprochen, die sich dort stark engagiert und auch bereits den zuständigen Amtstierarzt verständigt hat, der ihr erklärte,  dass „der Tradition wegen“ nichts verändert werden kann. So müssen die armen Geschöpfe weiter dahinvegetieren.

Zurück an Bord genießen wir erst einmal die abwechslungsreichen Möglichkeiten, die das Leben hier so liebenswert machen. Zwischen Sauna- und Fitnesscenter, der Labsal in den gepflegten Spezialitätenrestaurants, den leckeren Drinks während  einer Wein- oder Whiskyverkostung oder dem dolce far niente in einer der Hängematten an Deck. Hier vergeht die Zeit leider (oder Gott sei Dank) zu schnell, um das Schwelgen zur Sucht werden zu lassen.

Der nächste Urlaub „an Bord“ ist bereits fest verplant. Wohin und mit wem wird (noch) nicht verraten.

Copyright für Text und Bilder: Martin Däger

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