MAROKKO

„Die Welt ist ein Pfau – und sein Schweif ist Marokko sagt ein altes arabisches Sprichwort… Davon können wir uns jetzt bei unserer Reise durch den Hohen Atlas überzeugen. Agadir liegt schon lange hinter uns, der Weg führt durch die fruchtbare Sous-Ebene, am Horizont ragen aus dem Dunst des Morgens die Spitzen des Atlasgebirges. Arganbäume säumen die gut ausgebaute Straße und wir entdecken die ersten – leider auch die einzigen – Ziegen, die so gerne in die Kronen dieser Bäume klettern, um von den Früchten zu naschen.

Erster Fotostopp vor der imposanten 8 km langen Stadtmauer von Taroudannt, einer der ältesten Städte Marokkos, leider haben wir keine Zeit, „Kleinmarrakesch“, wie diese Stadt auch genannt wird, zu besichtigen. Eine Verschnaufpause in der Safran-Stadt Taliouine um den aromatischen Tee, der aus dem teuersten Gewürz der Welt zubereitet wird, zu genießen. Während die Wärme kontinuierlich zunimmt, versichert uns Aziz, unser Reiseleiter, dass das nur der Anfang ist. Aziz hat uns genau vor einem Jahr auf der Rundreise „Marokkos Königsstädte“ begleitet und ist inzwischen stolzer Vater einer Tochter geworden. Hakim, der Fahrer, drängt zur Weiterfahrt. Unser Pensum beträgt heute schlappe 380 km, also yalla, yalla.

Ouarzazate – eine moderne gepflegte Stadt, 150.000 Einwohner. Hübsche braune und rote Häuser. Für Filminteressierte lohnt in jedem Falle ein Besuch des Atlas-Filmstudios und des Musée du Cinema. Hier werden wir die Nacht in dem bezaubernden Hotel Fint verbringen, das mit viel Liebe zum Detail eingerichtet ist und außer Swimmingpool auch andere Annehmlichkeiten bieten kann. Das Mittagsessen in dem hübschen Restaurant könnte ein Genuss sein. Die nett gedeckten Tische, viele Blumen, verspielte Dekoration.

Als Tajine, eine marokkanische Spezialität, in einem typischen keramischen Topf serviert wird, schlagen unsere Herzen höher. Leider hat es  sich wieder bestätigt, dass die marokkanische Küche, die zu den besten der Welt gehört, den Touristen vorenthalten bleibt. Das Essen ist fade, kaum gewürzt. Aber das frische Fladenbrot und der thé à la menthe (frischer Pfefferminztee) oder der ausgezeichnete cafe nous-nous (Milchkafee) sorgen für Ausgleich. Noch kurz unter die Dusche, frische T-Shirts anziehen (bei 40°C im Schatten ein Muss) und weiter geht`s.

Ait Ben Haddou, UNESCO Weltkulturerbe seit 1987, besticht durch die faszinierende Architektur. Auf einem Hügel thront einer der schönsten Kasbah-Komplexe der Region. Mit Ornamenten beschmückte Lehmbauten, ein Labyrinth aus steilen Steintreppen, engen Gassen und dunkeln Gängen. Aziz erzählt uns, dass hier früher 80 Familien gelebt haben, heute sind es kaum noch 18. Jede Stufe, die uns weiter nach oben führt, wird anstrengender, aber der Ausblick belohnt uns. Hier ist die Zeit stehen geblieben. Kein Wunder, dass dieses Kleinod als Filmkulisse für mehrere internationale Kinoerfolge gedient hat.

Am späten Nachmittag besichtigen wir noch die hübsche Kasbah von Tiffoultout: ein befestigtes Lehmdorf von einer Mauer umgeben, an deren Ecken sich hohe Türme erheben, die als Unterkunft für mehrere Störche dienen. Die Aussicht auf das malerische Tal von Ouarzazate  ist das krönende Ende des Tages.

Zuerst klingelt der Wecker, dann das Telefon – und das zu einer unchristlichen Zeit.  Am Frühstückstisch versammelt sich unsere kleine Reisegruppe. Elf reiseerprobte „Best Ager“, unausgeschlafen, doch weder mürrisch, noch schlecht gelaunt. Die für heute

angekündigten 500 km können uns nicht erschüttern. Unsere Route führt vorbei an der kleinen malerischen Stadt Agdz (frühere französische Garnison) zu den Oasen des Drâa-Tales. Eine Landschaft wie aus einem Bilderbuch, in der Datelpalmen, Kasbahs und am Horizont mächtige Tafelberge dominieren, die zu den eindrucksvollsten Marokkos gehört.

Zagora – ein früherer Stützpunkt der Fremdlegion und auch heute noch wichtiger Vorposten der Wüste – begrüßt uns mit heißem Atem: 46°C. Schöne Palmenhaine, Gärten und Obstplantagen laden zu einem Spaziergang ein. In einem der hübschen alten Paläste schlürfen wir heißen Pfefferminztee und bewundern die herrlichen Teppiche. Am Ortsausgang ein begehrtes Fotoobjekt – ein altes Hinweisschild „Tombouctou 52 jours“  Früher benötigten die Kamelkarawanen dorthin mühevolle 52 Tage!  Die Landschaft wird karger, links und rechts breitet sich eine Steinwüste aus. In Rissani warten auf uns zwei Geländewagen, mit denen wir  zu den größten bis zu 100 m hohen Dünnen Marokkos im Erg Chebbi gebracht werden. Schon die Fahrt über die buckeligen Pisten  ist ein (erschütterndes!) Erlebnis. Bald erheben sich vor unseren Augen mächtige gelbe Sandmassen mit schattigen Tälern und sanften Rundungen, die mit dem Blau des Himmels besonders fotogen kontrastieren. Ein atemberaubender Anblick. Die Sonne steht inzwischen tief und die Landschaft wirkt immer malerischer.

Ganz Mutige machen einen Ausflug in die Sanddünnen auf dem Kamelrücken, der Rest erfreut sich an der Stille und der besonderen Atmosphäre. Die Sonne verschwindet plötzlich hinter grauen Wolken und es wird schnell dunkel. Die Off-Road Fahrt Richtung Erfoud und der funkelnde Sternenhimmel machen müde. Im Hotel angekommen, plündern wir das Abendbuffet und genießen danach einen verdienten Tiefschlaf.

Nach einem leckeren Frühstück mit Fladenbrot, Joghurt und Käse eine kurze Fahrt durch die pittoreske Stadt mit hübschen Souks und  pastellfarbigen Häusern, von der wir leider kaum was zu sehen bekommen. Stopp in einer Fossilien Werkstatt, in der sehr geschmackvolle Arbeiten hergestellt,  vor Ort gekauft bzw. in alle Welt versandt werden können. (Macro Fossiles Kasbah –  http://macrofossiles.kasbah.free.fr/)

Die Fahrt geht weiter über Tinejad nach Tinerhir, dem wichtigsten Marktort der Region. Gelegen auf 1.342 m Höhe ist diese schöne Bergoase von mehr als 72 befestigten Dörfern umgeben. Von hier zweigt die Straße in die bizarre Todra-Schlucht ab, die zu den Höhepunkten dieser Reise gehört. Ein schmaler Weg schlängelt sich durch diese wilde Landschaft umrahmt von zerklüfteten bis zu 300 m hohen rötlichen Steilwänden. Viel attraktiver wäre es, diese faszinierende Gegend zu Fuß zu erkunden, leider reicht die Zeit nur zu einem ausgedehnten Spaziergang. Nach dem Mittagessen in einem am Gebirgsbach hübsch gelegenen Hotel arbeitet sich unser Bus durch das Dades-Tal, das auch Tal der 1000 Kasbahs genannt wird. Der Wind wird stärker und wirbelt den Sand zu dichten Wolken auf, die die Sicht immer schlechter werden lassen. Wir können nur noch schemenhaft die spektakulären Gebirgsformationen, grandiosen Panoramaaussichten und herrlichen Lehmbauten erkennen. In der Rosenstadt El-Kelaa M`Gouna kauft Aziz ein Herz aus Rosen, das die restlichen Tage seinen betörend süßlichen Duft im Bus verbreitet. Müde von den vielen Eindrücken erreichen wir wieder Ouarzazate. Diesmal ist Zeit genug, um ausgiebig im Swimmingpool zu plantschen. Bei einem erfrischenden Bier oder einem Glas Wein an der Bar endet dieser erlebnisreiche Tag.

Der Weg über den Tizi´n Tichka Pass (2.260 m)  nach Marrakesch ist überwältigend. Jede Biegung bietet neue Ausblicke auf die Täler und Dörfer. Eine Gruppe Einheimische mit Musikanten  feiert gelassen am Straßenrand und animiert uns zu einem Tänzchen. Nach einer kurzen Fahrt Stopp an einer Frauenkooperative, in der das begehrte und exklusivste Öl der Welt angeboten wird: Arganöl – dessen Duft und Aroma einmalig sind. Für die Herstellung eines Liters benötigt man ca. 30 Kilo Früchte, die sehr aufwendig verarbeitet werden müssen. Dies erklärt den hohen Preis von ca. € 100,- per Liter.

Marrakesch – die Stadt ist wie ein orientalisches Märchen. Ein Bummel durch das Labyrinth der Souks und über den Djemaa el Fna  (Platz der Gehängten), auf dem früher die Köpfe der Hingerichteten aufgespießt wurden, ist schon obligatorisch für die Stadt. Wie oft waren wir schon hier und sind trotzdem immer wieder fasziniert von dem bunten Treiben, von Gerüchen, Geräuschen, dem Geschrei der Straßenverkäufer, Schlangenbeschwörern und Märchenerzählern. Am Abend großes Essen im Restaurantzelt „Chez Ali“. Danach erwartet uns unter freiem Himmel vor einer grandiosen Kulisse  eine Show aus 1001 Nacht, die täglich hunderte von Touristen unterhält.

Am nächsten Tag ist ein gemütlicher Spaziergang durch die Menara Gärten angesagt. Das Gelände mit großem Wasserbecken und einem maurischen Pavillon ist ein beliebter Ausflugsort für Familien. Danach vorbei an der attraktiven Koutoubia-Moschee mit 77 m hohem Minarett, dem Wahrzeichen Marrakeschs, Besichtigung des Palais de la Bahia mit prächtig geschmückten Innenräumen und der Saadier-Gräber, deren Eingang  Sultan Mulay Ismail zumauern ließ und der erst 1917 wieder entdeckt wurde.

Den Abend verbringen wir in einem einheimischen Restaurant bei Couscous und Tajine.

Die letzte Etappe nach Agadir wird in „kurzen“ vier Stunden auf der superschnellen neuen Autobahn zurückgelegt. Aziz und  Hakim bekommen ihren redlich verdienten Anteil aus der Reisekasse. Wir verabschieden  uns auch von unserer munteren Truppe, die sich in der kommenden Woche noch an den Badestränden Agadirs von den „Strapazen“ der Reise erholen wird.

Übrigens: ab 2. September 2012 startet jeden Sonntag ein Lufthansa Jet von Berlin-Tegel  nach Marrakesch.


Marokko ist ein Land voller Kontraste. Mann könnte diese Rundreise als „Schnuppertour“ bezeichnen, da eine Woche für die vielen attraktiven Sehenswürdigkeiten, die wir infolge Zeitmangels „links liegen“ lassen mussten, zu knapp bemessen ist. Wir haben während unserer „Kurzreise“ knapp 1.700 km  zurückgelegt, was nicht nur lange Fahrzeiten, sondern auch eine gute Kondition der Reisegäste erfordert.

Es gibt verschiedene Anbieter. Wyir haben sehr gute Erfahrungen mit Neckermann gemacht.

Rundreise „Kasbahs, Wüsten und Oasen“ ab 920,00 Euro www.neckermann-reisen.de

Reiseliteratur: DUMONT Reise-Handbuch Marokko, ISBN 978-3-7701-7687-8, Preis € 24,95 www.dumontreise.de

Weitere Infomationen: http://marokko.tourismus.de/fremdenverkehrsamt/

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