REMBRANDT

Rembrandt oder nicht Rembrandt? Zeichnungen des holländischen Meisters wurden schon von Beginn an mit Zeichnungen seiner Schüler und Mitarbeiter verwechselt, die im selben Stil arbeiteten. Aktuelle Forschungen führten in den vergangenen Jahren zur umwälzenden Neubewertung von Rembrandts zeichnerischem Werk, die auch den großartigen Bestand des Berliner Kupferstichkabinetts betrifft. Die Ausstellung im Sommer 2018 zeigt rund 100 der besten Zeichnungen aus Rembrandts Umfeld sowie einige Originale aus der eigenen Sammlung und anderen Museen.

Die Frage nach der Authentizität von Rembrandts zeichnerischem Werk beschäftigte in den letzten Jahren maßgeblich die wenigen Experten auf diesem Gebiet – mit verblüffenden Ergebnissen: Mehr als die Hälfte der Zeichnungen, die noch im großen Bestandskatalog des Wiener Kunsthistorikers und Albertina-Direktors Otto Benesch 1954-57 als Originale aus der Hand des Meisters beschrieben wurden, gelten heute als Werke von Schülern und Mitarbeitern. Das betrifft in hohem Maße auch das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, dessen Bestand an Zeichnungen Rembrandts, seiner Schule und seines Kreises zu den größten weltweit gehört.

Die Ursache der Gleichartigkeit der Zeichnungen und damit auch der Verwechslung von Originalarbeiten mit Zeichnungen anderer Künstler liegt im Werkstattbetrieb selbst: Rembrandt beschäftige von den 1630er-bis in die 1660er-Jahre zahlreiche Schüler; namentlich bekannt sind etwa 50, weitere blieben anonym. Es handelte sich um junge Anfänger, aber auch um bereits ausgebildete Künstler sowie um Liebhaber, die seines großen Rufes wegen zu Rembrandt kamen. Einen zentralen Aspekt der Ausbildung nahm der Zeichenunterricht ein. Die Schüler mussten sich in der Ausführung von biblischen und anderen historischen Szenen üben. Sie lernten, Kompositionen und Inszenierungen dramatischer Geschichten zeichnerisch darzustellen, die Anlage von Licht und Schatten, Haltung und Ausdruck von Figuren. Rembrandt legte ihnen eigenhändige Blätter vor, die vielfach direkt als Vorbildmaterial fungierten. Zudem wurden in gemeinsamen Sitzungen Aktstudien angefertigt oder im Freien Landschaften skizziert. Oftmals widmeten sich Lehrer und Schüler parallel oder in Gruppenarbeit denselben Themen.

Dem prägenden Einfluss Rembrandts konnte sich kein Schüler recht entziehen, zumindest während der Zeit des Aufenthalts im Atelier des Meisters. Erst nachdem die Schüler Rembrandt verlassen hatten, machten sie sich häufig von dem Vorbild des Meisters frei und entwickelten einen eigenen Stil. Manche gingen auch technisch ganz eigene und neue Wege. Andere wiederum zeichneten später noch in einem an Rembrandt orientierten Stil.
Es ist anzunehmen, dass die Zeichnungen Rembrandts und seiner Schüler, die während der Lehrzeit im Atelier des Meisters entstanden sind, zusammen in Alben aufbewahrt wurden. Dank alter Inventarverzeichnisse von Rembrandts Besitz aus den Jahren 1656 und 1669 ist bekannt, dass die Zeichnungen nach bestimmten Themen geordnet waren, beispielsweise nach Landschaften, Tierdarstellungen und biblischen Skizzen. Signiert wurde fast nichts – nur einige wenige Blätter Rembrandts tragen Aufschriften von seiner Hand, Zeichnungen der Schüler aus den Lehrjahren weisen keine authentischen Namenszüge auf. Die Gesamtzahl der Blätter betrug schätzungsweise 1500 bis 2000 Stück. Als geschlossene Bündel gelangten sie 1658, teilweise auch nach Rembrandts Tod 1669, auf den Markt. Und bereits früh wussten Händler und Sammler nicht mehr, was vom Meister und was von seinen Schülern stammte.
Einige wenige Originale Rembrandts aus eigenem Besitz und anderen Sammlungen, die den Schülerblättern an die Seite gestellt werden, zeigen den Besucherinnen und Besuchern sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die bisweilen subtilen Unterschiede von Arbeiten des Meisters und seiner Schule. Die Ausstellung wird damit auch einen Einblick in die Art und das Wesen des Zeichenunterrichts in Rembrandts Werkstatt geben.
Nachdem 2006 die eigenhändigen Werke des holländischen Meisters in einem kritischen Katalog veröffentlicht wurden, erscheint nun zur Ausstellung ein Werkverzeichnis des Kupferstichkabinetts, das die rund 160 Arbeiten aus Rembrandts Umfeld vorstellt, die vormals noch als Originale Rembrandts galten: Sandstein Verlag, Dresden, Festeinband, 336 Seiten, 317 meist farbige Abbildungen, ISBN 978-3-95498-414-5, Buchhandelspreis:38, Museumspreis 19 €.

Kulturforum, Kupferstichkabinett, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin, Öffnungszeiten: Di – Fr 10 – 18 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr

Copyright für alle Bilder: Helena Salva-Janowitz,  jetset travelmagazin, Berlin
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