Willi Baumeister

Erstmals seit der großen Retrospektive 1989 in der Neuen National­galerie veranstaltet das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin eine umfassende Museumsausstellung zum zeichnerischen Werk von Willi Baumeister in Berlin.

Der 1889 in Stuttgart geborene Künstler war Zeit seines Lebens ein eben­so leidenschaftlicher wie akribischer Zeichner. Dies gilt besonders für die Jahre der inneren Emigration während der NS-Zeit, in der für Baumeister die Malerei im Atelier beinahe unmöglich wurde und er daher stattdessen im Verborgenen in Bad Urach auf der Schwäbischen Alb viele Hunderte von Zeichnungen schuf. Aber auch bereits in den Jahren zuvor – beruflich gekrönt durch die Professur an der Städelschen Kunstschule in Frankfurt am Main im Jahre 1928 – spielte die Zeichnung für Baumeister eine zent­rale Rolle. Sie dient grundsätzlich nicht nur der Vorbereitung und Reflexi­on seiner Gemälde oder der Entwicklung druckgraphischer Editionen. Vielmehr erweisen sich seine Zeichnungen, die bisweilen auch unter dem Einsatz von Farben oder getönten Papieren entwickelt werden, als bild­haft verdichtete Kompositionen von autonomem Charakter, die immer wieder um das Thema der abstrahierten menschlichen Figur sowie ihrer Aktion und Verortung in Fläche und Raum kreisen. Der Linie kommt dabei bis in die 1930er-Jahre eine zentrale Rolle zu.

Seit den späten 1910er-Jahren bis zu Baumeisters Tod im Jahre 1955 entstehen stilistisch markante Werkgruppen wie die „Sportbilder“, die „Flämmchenbilder“ oder die „Ideogramme“, in denen die Figur schrittweise zum Bildzeichen, zur organischen Chiffre wird, die vom Künstler in den 1940er-Jahren auch in literarisch-erzählerischen Zusammenhängen ein­gesetzt wird. Baumeister, eine der entscheidenden Brückenfiguren zwi­schen der Vorkriegsmoderne und der Abstraktion nach 1945 in Deutsch­land und Europa, weiß sich dabei auch den figurativen „Urbildern“ ver­pflichtet, wie er sie in der von ihm mit großer Begeisterung erkundeten prähistorischen Höhlenmalerei vorfand. Auch die Formenwelt seiner priva­ten Sammlung an außereuropäischen Objekten liefert ihm dabei Anre­gungen, wie sie damals etwa auch im Surrealismus aufgegriffen wurden.

Die von Andreas Schalhorn kuratierte Ausstellung umfasst rund 100 Wer­ke: Neben dem Gemälde „Femme“ von 1930 als Leihgabe der National­galerie – Staatliche Museen zu Berlin und etwa 50 Zeichnungen Baumeis­ters, darunter zahlreiche Leihgaben aus dem Archiv Baumeister am Kunstmuseum Stuttgart und aus einer Privatsammlung, werden nach lan­ger Zeit erstmals wieder ausgewählte Druckgraphiken des Künstlers aus der Galerie des 20. Jahrhunderts sowie Vergleichswerke seiner Zeitge­nossen und Freunde (u.a. von Otto Meyer-Amden, Oskar Schlemmer, EI Lissitzky, Fernand Läger, Pablo Picasso, Joan Mirö, Karl Otto Götz, Jackson Pollock) aus dem Bestand des Kupferstichkabinetts gezeigt. Ein­zelne Werke von Künstlern nachfolgender Generationen wie Philipp Gus­ton und A. R. Penck bezeugen abschließend noch einmal Baumeisters wegweisende figurative Formulierungsgabe in der Kunst auf Papier.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation im Wienand Verlag, 160 Sei­ten, gebunden, ISBN 978-3-86832-412-9, Buchhandelspreis: 34 Euro, Preis der Museumsausgabe: 25 Euro.

Kulturforum, Kupferstichkabinett, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin, Öffnungszeiten: Di – Fr 10 – 18 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr


Copyright für alle Bilder: Helena Salva-Janowitz,  jetset travelmagazin, Berlin
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